Marketing/Conversion

Funnel

Ein Funnel — wörtlich "Trichter" — ist die Abfolge der Schritte, die ein potenzieller Kunde durchläuft, bevor er bei dir kauft oder eine Anfrage stellt. Oben weit (viele Besucher), unten schmal (wenige Abschlüsse). Jede Stufe verliert Menschen, und genau darin liegt die Kunst: Lecks finden und stopfen.

Lesezeit 5 Min Kategorie Marketing/Conversion

Was ist ein Funnel?

Stell dir einen Küchentrichter vor. Oben ist viel Platz, unten kommt wenig raus. Im Marketing ist es dasselbe: Oben kommen viele Menschen rein (Google-Suche über SEO, Werbeanzeige, Social Media), unten kommen wenige echte Kunden raus.

Der Standard-Funnel hat drei Hauptstufen: Awareness (der Besucher merkt, dass es dich gibt), Consideration (er überlegt, ob du passt) und Decision (er handelt). Manche Modelle ergänzen Retention und Advocacy — Stammkunde werden und weiterempfehlen. Für die meisten Websites reichen die ersten drei. Marketing-Teams nennen diese Stufen Awareness/Consideration/Decision, Content- und SEO-Teams sagen lieber TOFU, MOFU, BOFU. Dasselbe in anderen Worten.

Wichtig: Der Funnel ist kein Theorie-Modell, sondern eine reale, messbare Abfolge. Wenn 10.000 Menschen deine Startseite sehen, 1.200 die Leistungsseite öffnen, 180 das Formular anklicken und 40 es absenden, hast du vier Stufen. Aus den Zahlen ergibt sich sofort, wo das größte Leck sitzt.

Die Funnel-Stufen mit Beispielen

Ein Dachdecker, der neue Kunden über Google gewinnen will, könnte folgende Zahlen sehen:

StufeAktionZahl
AwarenessBesucher klickt auf Ratgeber "Dach undicht was tun"3.000
InterestKlick auf internen Link "Dachsanierung"480
ConsiderationKlick auf "Referenzen" oder "Preise"210
IntentKlick auf CTA "Angebot anfordern"75
DecisionFormular abgeschickt28
AbschlussAuftragsannahme9

Aus solchen Zahlen liest du sofort ab, wo es hakt. Hier ist der größte Absprung zwischen Ratgeber und Leistungsseite — nur 16 Prozent kommen weiter. Der Content passt nicht zum Angebot, oder die interne Verlinkung ist schwach.

TOFU, MOFU, BOFU — das Content-Modell

Wer Content plant, denkt den Funnel in drei Zonen. Oben hat der Besucher ein Problem, aber noch keine Lösung im Kopf. In der Mitte vergleicht er Optionen. Unten will er kaufen.

ZoneNameWer ist hierPassender Content
TOFUTop of FunnelProblembewusst, nicht kaufbereitRatgeber, Blog, How-to, SEO-Artikel
MOFUMiddle of FunnelVergleicht LösungenCase Studies, Webinare, Newsletter
BOFUBottom of FunnelKaufbereit, sucht AnbieterLandingpages, Preisseiten, Demo

Die meisten Agenturen bauen nur BOFU — Leistungsseiten und Kontakt. Die Masse der Besucher ist aber TOFU und MOFU, und wer dort nicht präsent ist, bleibt für 90 Prozent der Zielgruppe unsichtbar. Genauso falsch: nur Blog schreiben ohne BOFU-Pfad. Dann kommen tausende Leser, aber keiner landet beim Angebot.

Micro-Conversions — die Schritte vor dem großen Klick

Nicht jede Conversion ist ein Kauf. Die meisten Besucher brauchen mehrere kleine Ja-Momente vor dem großen Ja. Diese Schritte heißen Micro-Conversions: Klick auf "Referenzen", Download eines PDFs, Ansehen eines Produktvideos, Newsletter-Anmeldung, Warenkorb-Speichern. Die Hauptaktion — Kauf, Anfrage, Termin — ist dagegen die Macro-Conversion.

Warum das zählt: Micro-Conversions zeigen lange vor dem Abschluss, ob der Funnel arbeitet. Wenn niemand den Download klickt, niemand das Video startet und niemand zur Preisseite scrollt, ist der Besuch tot — auch wenn die Conversion Rate noch nichts verrät. Wer Micros trackt, erkennt Probleme früher und hat Daten für A/B-Tests auch bei kleinem Traffic.

AIDA — das klassische Werbemodell

Neben modernen Funnel-Modellen gibt es einen Dauerbrenner aus der Werbepsychologie: AIDA. Ursprünglich für Verkaufsbriefe, passt er heute noch auf jede gute Landingpage oder Anzeige.

StufeWirkungBeispiel
A — AttentionAufmerksamkeitHeadline, Kontrast in der Hero Section
I — InterestInteresseProblem benennen, Nutzen andeuten
D — DesireVerlangenLösung zeigen, Beweise liefern
A — ActionHandlungKlarer CTA, Risiko entkräften

AIDA ist kein kompletter Funnel, sondern ein Mini-Drehbuch für einen einzelnen Touchpoint. Kombiniert mit TOFU/MOFU/BOFU deckst du beide Ebenen ab: AIDA macht die einzelne Seite wirksam, der Funnel bringt den Besucher von Seite zu Seite voran.

Warum der Funnel für deine Website wichtig ist

Ohne Funnel-Denken ist Marketing Blindflug. Du siehst die Gesamt-Conversion Rate und weißt: 2 Prozent. Was du nicht siehst: Wo gehen die 98 Prozent verloren? Oben beim Traffic? In der Mitte beim Vertrauen? Unten beim Formular?

Ein Beispiel: Ein Onlineshop für Büromöbel hatte 1,2 Prozent Gesamt-Conversion. Die Analyse zeigte, dass 73 Prozent den Checkout genau beim Schritt "Versandadresse" abbrachen. Das Formular hatte elf Felder, Telefonnummer als Pflicht. Nach Reduktion auf sechs Felder stieg die Checkout-Rate um 40 Prozent, die Gesamt-Conversion auf 1,8. Aufgefallen war das Problem durch einen schlechten Responsive Design-Zustand des Formulars auf dem Smartphone — ein klassisches UX-Leck. Solche Einsichten bekommst du nur, wenn du deinen Funnel misst.

Funnel vs Customer Journey

Die beiden Begriffe werden oft verwechselt. Funnel ist die Perspektive des Unternehmens — ein Zahlenmodell, das zeigt, wie viele Menschen von Stufe zu Stufe durchkommen. Customer Journey ist die Perspektive des Kunden — ein Erlebnismodell, das beschreibt, was er fühlt, denkt, fragt. Der Funnel zeigt dir, wo Besucher aussteigen, die Journey verrät dir, warum. Wer nur Zahlen hat, optimiert im Blindflug. Wer nur Journey hat, diskutiert ewig ohne Daten.

Häufige Fehler beim Funnel-Denken

Nur die letzte Stufe messen. Wer nur Leads zählt und den Weg dorthin ignoriert, verliert den Großteil der Optimierungs-Möglichkeiten.

Zu viele Stufen. Ein Funnel mit zwölf Stufen ist Buchhaltung. Drei bis sechs Stufen reichen für fast jedes Geschäftsmodell.

Annahmen statt Messungen. "Die Leute brechen bestimmt beim Zahlungsschritt ab" — vielleicht. Oder vielleicht beim Bildupload. Ohne echte Daten aus Web-Analytics bleibt alles Vermutung.

Länge passt nicht zum Besucher. Ein B2B-Softwareanbieter braucht einen langen Funnel mit Whitepapers und Webinaren. Eine Eisdiele braucht keinen.

Nur auf digitalen Funnel schauen. Oft findet die Entscheidung offline statt — ein Kunde denkt drei Tage nach und ruft dann an. Wer nur Formular-Conversions zählt, verpasst die Telefon-Conversions.

Ähnliche Begriffe

HTML/CSS/Code

Responsive Design

Responsive Design heißt: Eine Website passt sich automatisch an jede Bildschirmgröße an — vom 27-Zoll-Monitor bis zum 5-…

Weiterlesen →
Performance

Lazy Loading

Lazy Loading verschiebt das Laden von Bildern, iframes und anderen schweren Ressourcen so lange, bis der Nutzer sie wirk…

Weiterlesen →
SEO

Meta-Description

Die Meta-Description ist der zwei- bis dreizeilige Teaser-Text unter dem blauen Title-Link in den Google-Ergebnissen. Si…

Weiterlesen →
Cookie Consent mit Real Cookie Banner